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Bürgerinformationen

Informationen zum Thema Altlasten im Dethlinger Teich, Munster


Am 25. Februar 2015 fand in der Festhalle der Stadt Munster eine öffentliche Informationsveranstaltung der Stadt Munser und des Heidekreises zum Thema Altlasten im Dethlinger Teich bei Munster statt. Auch die Arsenbelastung auf dem Truppenübungsplatz Munster wurde dabei thematisiert. Neben dem geschichtlichen Hintergrund und der Darstellung der bisherigen Maßnahmen wurde über das weitere Vorgehen informiert.

Auch in Zukunft finden Sie in diesem Eintrag aktuelle Informationen zum Sachstand der Altlastenproblematik.

Die Themen der Veranstaltung waren (für mehr Informationen klicken Sie auf das jeweilige Thema):
 

  1. Zuständigkeiten zu Altlasten
     
  2. Truppenübungsplatz Munster - Historie zum Gasplatz Breloh, zur Heeresversuchsstelle und zum Arbeitsauftrag der GEKA
     
  3. Altlastenprogramm der Bundeswehr am Standort Munster
     
  4. Historie zur Rüstungsaltlast Dethlinger Teich
     
  5. Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung am Dethlinger Teich bis 2009
     
  6. Standorterkundung Dethlinger Teich
     
  7. Konzept für die weiteren Maßnahmen am Dethlinger Teich (durchgeführte Maßnahmen siehe im unten Bereich dieser Seite)

 


 

Aktuelle Informationen

Die abschließende "Feinplanung" ist abrufbar
Die abschließende "Feinplanung" der Arbeitsgemeinschaft Mull & Partner Ingenieurgesellschaft mbH - Hazard Control GmbH vom 13.03.2018/06.04.2018  zur Öffnung des Dethlinger Teiches liegt vor und steht zur Einsicht zur Verfügung.

Ergebnis der "Vorplanung Teichöffnung" liegt seit Anfang Dezember 2017 vor
Für die vom Heidekreis angestrebte Sanierung dieser bundesweit einmaligen Rüstungsaltlast stellt die sogenannte Teichöffnung einen besonderen Baustein dar. Die Öffnung erfolgt an einer Stelle, wo aufgrund der zuvor durchgeführten Untersuchungen mit hoher Wahrscheinlichkeit Kampfstoffmunition bzw. Reste davon liegen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse über Art, Menge und Zustand bilden im Anschluss die Grundlage für eine sinnvolle Planung der Sanierung. Des Weiteren ist so eine Voruntersuchung (Testfläche) für die Beantragung von Bundesmitteln zwingend erforderlich. Die Planung der Teichöffnung insgesamt erfolgt stufenweise, sodass in Abhängigkeit vom Ergebnis der vorherigen Stufe der nächste Planungsschritt optimiert werden kann. Das endgültige Ergebnis der "Vorplanung Teichöffnung" der Arbeitsgemeinschaft Mull & Partner Ingenieurgesellschaft mbH - Hazard Control GmbH kann hier eingesehen werden.

Land sichert finanzielle Beteiligung bis 2020 zum Dethlinger Teich zu
Am 13.02.2017 wurde vom Niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel und Landrat Manfred Ostermann im Rathaus der Stadt Munster eine Vereinbarung zwischen dem Land Niedersachsen und dem Heidekreis zur Durchführung einer Gefährdungsabschätzung inklusive einer Machbarkeitsstudie am Standort „Dethlinger Teich“ unterzeichnet. Dadurch wird eine Beteiligung des Landes an den Kosten der erforderlichen Maßnahmen bis zum Jahr 2020 in Höhe von maximal 2 Mio. € festgeschrieben.

Aufgrund der enstehenden Mehrkosten in Bezug auf die Erkundungsarbeiten am Dethlinger Teich wurde am 16. September 2019 die Änderungsvereinbarung zur Kostenübernahme von Staatssekretär Frank Doods, Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, und Landrat Manfred Ostermann unterschrieben. Damit stehen 3,6 Millionen Euro für die Untersuchungen zur Verfügung.

Altlastenfinanzierungsprogramm/Förderantrag
Das aktuell laufende Altlastenfinanzierungsprogramm des Landes sieht eine Förderung von Detailuntersuchungen nicht vor. Aus diesem Grunde hat der Heidekreis auch mangels Förderprogramm keinen diesbezüglichen Förderantrag für 2015 gestellt. Erst die Änderung der Förderkriterien ab dem kommenden Jahr ermöglicht eine Förderung der Arbeiten am Dethlinger Teich. Ein Förderantrag wird dann gestellt werden.

Unterstützung durch den Bund und das Land Niedersachsen
Mit Schreiben vom 05.03.2015 hat der Heidekreis den Bund und das Land Niedersachsen um Unterstützung bei der Umsetzung des Grobkonzeptes, also des Abschlusses der Gefährdungsabschätzung und die anschließende Sanierung der Rüstungsaltlast, gebeten. Vom Bundesfinanzministerium wird aktuell keine Möglichkeit gesehen, den Heidekreis bei der Umsetzung finanziell zu unterstützen. Das Land verweist auf seine Förderrichtlinie (Altlastenfinanzierungsprogramm).


Weitere Maßnahmen ab Oktober 2015 in chronologischer Reihenfolge

Herstellung von Grundwasser-Messstellen und eines Einleitungsschachtes
Zur Vorbereitung der im Oktober 2015 geplanten Tracerversuche wurden im Grundwasserzustrom des Dethlinger Teiches fünf Grundwasser-Messstellen und ein Einleitungsschacht hergestellt. Mithilfe der zwischenzeitig gemessenen Grundwasserstände konnte der Grundwasserzustrom des ehemaligen Teiches erstmalig genauer ermittelt werden. Die Arbeitskarte zeigt die sogenannten Grundwassergleichen, jeweils bezogen auf mNN. Das Grundwasser strömt senkrecht zu den Linien. Einige mangelhafte Messstellen im unmittelbaren Abstrom des Teiches verfälschen das Bild. Trotzdem zeigt sich, dass der Abstrom des Dethlinger Teiches auf einer relativ breiten Fläche erfolgt. Die Bestimmung der optimalen Standorte für die neuen Messstellen ist daher besonders wichtig.

Im Zuge der Feldarbeiten konnte auch eine sogenannte Schöpfprobe im Teichbereich entnommen werden. Neben einer deutlichen Verunreinigung des Grundwassers mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) wurden auch zahlreiche Abbauprodukte des Hautkampfstoffes Lost nachgewiesen. Die PAK-Belastungen des Grundwassers stammen mutmaßlich von den Teeranhaftungen des Bauschuttes, mit dem der Teich Anfang der 1950er Jahre verfüllt wurde.

Bei den Abbauprodukten des Lost aus der Teichprobe wurden erstmals einige bisher nicht erfasste Substanzen analysiert, die auch bei der Altlastbearbeitung des Truppenübungsplatzes Munster-Nord eine zunehmende Rolle spielen (in der Tabelle mit „neu“ gekennzeichnet). Im Einzelnen wurden durch das vom Heidekreis beauftragte Speziallabor Hazard Control GmbH nachgewiesen (jeweils in µg/l):

 
Probe  14OT(1) 14DT(2) 10456DTP(3) TDG(4) TDGS(5) TDGSO(6) TEA(7) TPA(8)
Teilprobe A 1,84 1,46 0,15 34,41 114,36 199,91 872,29 0,22
Teilprobe B 1,86 1,67 0,15 33,44 116,76 199,30 1.006,48 0,34
Hinweis       neu neu neu neu neu

(1) 1,4-Oxathian (14OT)
(2) 1,4-Dithian (14DT)
(3) 1-Oxa-4,5-dithiapan (1O45DTP)
(4) Thiodiglykol (TDG)
(5) Thiodiglykolsulfon (TDGS)
(6) Thiodiglykolsulfoxid (TDGSO)
(7) Triethanolamin (TEA)
(8) Triphenylarsin (TPA)


Tracerversuch wurde durch das Umweltforschungszentrum (UFZ) begonnen
Das Umweltforschungszentrum (UFZ) hat wie geplant Mitte Oktober 2015 den sogenannten Tracerversuch begonnen. Hierbei wurden Kochsalz und der besonders intensive Farbstoff Uranin als Tracer in den Untergrund eingeleitet. Der Tracer ist vergleichbar mit dem Kontrastmittel beim Röntgenarzt. Die jetzt angelaufenen Messungen an den Messstellen im Grundwasser-Abstrom erfolgen durch Mitarbeiterinen und Mitarbeiter des Heidekreises. Die Messdaten erhält das UFZ zur Auswertung. Mit belastbaren Aussagen, die für die Anordnung der optimalen Standorte für die neuen Messstellen benötigt werden, wird im April 2016 gerechnet.

Bei der Installation des Tracerversuches wurden vom UFZ weitere Sondierungen im Zu- und Nebenstrom des Dethlinger Teiches durchgeführt. Mit Hilfe der neuen Daten und einer sogenannten Stichtagsmessung konnte ein neuer Grundwasser-Gleichenplan für Oktober 2015 erstellt werden, der einmal mehr die komplexen Grundwasserverhältnisse verdeutlicht.

Zur Vorbereitung der Messstellen-Erneuerung im kommenden Jahr wurde die vorhandene Messstelle B 13 in verschiedenen Tiefen beprobt.
B 13 wurde in den 1970er Jahren mit einer Filterlänge von 15 m errichtet. Der Vorteil einer solchen Messstelle ist die Möglichkeit die Wasserproben aus verschiedenen Tiefen zu entnehmen. Dieser prinzipielle Vorteil wird insbesondere am Dethlinger Teich durch die Nachteile deutlich überlagert. Die lange Filterstrecke verbindet verschiedene Grundwasserbereiche, die durch undurchlässigere Erdschichten mehr oder weniger getrennt sind. Die Fachkraft spricht vom hydraulischen Kurzschluss, das heißt, hier kann sich Grundwasser mit Belastungen ungehindert verlagern.

Durch eine entsprechend aufwendige Probenentnahme war es nun möglich, doch eine qualifizierte Grundwasserprobe aus der Messstelle
B 13 zu erhalten. Im Einzelnen wurden durch das Speziallabor Hazard Control GmbH folgende Gehalte der LOST-Abbauprodukte nachgewiesen:

 
B 13-Probe 14OT(1) 14DT(2) 1045DTP(3) TDG(4) TDGS(5) TDGSO(6) TEA(7) TPA(8)
Tiefe 7,5 m 98,67 60,79 1,08 n.n. n.n. n.n. n.n. n.n.
Tiefe 11,5 m 108,57 63,80 1,05 20,79 n.n. n.n. n.n. n.n.
Tiefe 15,5 m 120,85 67,31 1,11 21,32 n.n. n.n. n.n. n.n.
Tiefe 19,5 m 81,58 58,49 0,72 19,62 n.n. n.n. n.n. n.n.

(1) 1,4-Oxathian (14OT)
(2) 1,4-Dithian (14DT)
(3) 1-Oxa-4,5-dithiapan (1O45DTP)
(4) Thiodiglykol (TDG)
(5) Thiodiglykolsulfon (TDGS)
(6) Thiodiglykolsulfoxid (TDGSO)
(7) Triethanolamin (TEA)
(8) Triphenylarsin (TPA)

Die Eintragung n. n. steht für nicht nachgewiesen. Die Summe der nachgewiesenen Abbauprodukte liegt etwa in der Größenordnung der bisherigen Messreihe. Die Probe aus 19,5 m Tiefe weist die geringsten Gehalte auf. Die Summe von rund 160 µg/l ist aber sehr hoch, sodass das neue Grundwasser-Messstellennetz auch größere Tiefen abdecken muss.

Auffälligkeiten bei den Untersuchungen auf chemische Kampfstoffe - Keine Abbauprodukte im Rohwasser der Förderbrunnen - Neue Maßnahmen vereinbart
Seit dem vergangenen Jahr werden die sogenannten Vorfeld-Messstellen und das Rohwasser des Wasserwerkes Munster III in einem halbjährlichen Rhythmus auf chemische Kampfstoffe und deren Abbauprodukte untersucht. Die erste Messung im April 2015 zeigte keine Auffälligkeiten. Bei der zweiten Messreihe im Herbst 2015 wies die Vorfeld-Messstelle A 10 am Rehrhofer Weg Auffälligkeiten auf. Dabei konnten Abbauprodukte des Hautkampfstoffes Lost nachgewiesen, aufgrund der geringen Konzentration aber nicht exakt bestimmt werden. Bei der Kontrolle im März 2016 bestätigte sich der Befund aus dem vergangenen Jahr. Zusätzlich zeigte nun auch erstmalig die Messstelle A 18 Auffälligkeiten. Wie bei den Messungen des A 10 war aufgrund der geringen Konzentration auch beim A 18 kein exakter, wissenschaftlich abgesicherter Wert bestimmbar. Zur Absicherung wurde für den Pegel A 18 umgehend eine Kontrollmessung veranlasst, bei der das Abbauprodukt des Lost aber nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Es wird im Ergebnis aber trotzdem davon ausgegangen, dass bei A 18 zumindest zeitweise Abbauprodukte des Lost nachgewiesen werden können. A 18 liegt rund 1,5 km von den Förderbrunnen des Wasserwerkes Munster III entfernt.

Die Vorfeld-Messstellen im Einzugsgebiet eines Wasserwerkes fungieren als "Wächterbrunnen", mit denen sich abzeichnende Probleme für die künftige Trinkwasserförderung rechtzeitig erkannt werden können. Das Grundwasser benötigt von einer solchen Messstelle bis zu den eigentlichen Förderbrunnen in der Regel noch viele Monate bzw. wenige Jahre.

Parallel zu den Vorfeld-Messstellen wurde auch das Rohwasser der einzelnen Förderbrunnen halbjährlich auf die Abbauprodukte der Kampfstoffe untersucht. Das Rohwasser ist das Grundwasser vor der in jedem Wasserwerk üblichen Aufbereitung, bevor es als Trinkwasser in das Leitungsnetz der Stadtwerke zur Verfügung gestellt wird. Im Rohwasser der Förderbrunnen konnte bisher kein Abbauprodukt von chemischen Kampfstoffen nachgewiesen werden. Am 19. April 2016 fand eine Besprechung bei den Stadtwerken statt, bei der der Heidekreis durch das Gesundheitsamt und der Unteren Wasserbehörde vertreten war. Als erste Maßnahme wurde vereinbart, dass der Untersuchungsrhythmus für das Rohwasser auf zwei Monate reduziert wird. Parallel werden die Stadtwerke einen sogenannten Notfallplan erarbeiten, der wie bei solchen Planungen üblich, einige ungünstige Annahmen als Ausgangsszenario unterstellt. Im vorliegenden Fall wird dabei der zumindest theoretisch denkbare Nachweis von Abbauprodukten im Rohwasser angenommen. Die entsprechend notwendigen Gegenmaßnahmen haben sicherzustellen, dass die hohen Anforderungen der deutschen Trinkwasserverordnung eingehalten werden und damit eine Gefährdung der Bevölkerung sicher ausgeschlossen werden kann.

Parallel wird das Wächterbrunnen-Netz im direkten Zustrom des Wasserwerkes ausgebaut werden. Für die optimale Positionierung der Pegel wird das sogenannte Grundwasserströmungsmodell benötigt, dass zurzeit durch ein Hamburger Ingenieurbüro erstellt wird. Durch das Modell und die neu zu erstellenden Vorfeld-Messstellen wird eine zusätzliche Sicherheit geschaffen.

Untersuchungen am Dethlinger Teich gehen voran - Öffnung des Teiches für 2017 vorgesehen
Am 23. August 2016 fand beim Heidekreis in Soltau die erste Sitzung der „Projektgruppe Dethlinger Teich“ statt, die die weitere Untersuchung und Sanierung dieser militärischen Altlast durch den Heidekreis begleiten und unterstützen wird. Im Verlaufe der zweistündigen Besprechung wurden die Teilnehmenden über die aktuellen Einzelmaßnahmen informiert. Mitte August 2016 erfolgte am ehemaligen Teich die kampfmitteltechnische Freimessung der Sondier- und Bohransatzpunkte. Für die notwendige Bewegungsfreiheit erfolgen in wenigen Tagen Fäll- und Freischneidarbeiten. Schon Anfang August 2016 konnte nachgewiesen werden, dass das Holz der Bäume auf dem Teich und rund um den Teich unbelastet ist. Bis Ende Oktober 2016 werden die Ergebnisse weiterer Sondierungen am unmittelbaren Teichrand vorliegen. Hierbei kommen verschiedene Sonden zum Einsatz, die unter anderem die eingebrachten Tracerstoffe (Kochsalz und ein Farbstoff) detektieren können. Mit den erzielten Daten wird anschließend ein Fachbüro die optimalen Standorte für die geplanten 22 neuen Grundwasser-Messstellen bestimmen, die nach aktueller Planung ein Bohrunternehmen in der Vorweihnachtszeit 2016 errichten wird. Im Anschluss erfolgt Anfang Januar 2017 das Grundwasser-Monitoring, welches dann eine belastbare Aussage zu der tatsächlichen Kontamination des Grundwassers ermöglichen wird.

Parallel zu den Arbeiten vor Ort wird ein Fachbüro die für das Jahr 2017 geplante Öffnung des Dethlinger Teiches planen. Die Klärung der Frage, was liegt wo und in welcher Art und Weise im Teich ist für die weitere Bearbeitung von großer Bedeutung. Ohne vorherige Öffnung erscheint die Durchführung der angestrebten Sanierung nur schwer möglich. Wie die Diskussion innerhalb der Projektgruppe zeigte, wird die Teichöffnung eine besondere Herausforderung. Dies gilt im Besonderen für die zahlreichen Sicherheitsfragen.

Aufgrund der Nähe zur OHE-Bahnstrecke Munster - Beckedorf und der Bundesstraße 71 (Munster - Oerrel) sind für die Dauer der Arbeiten auch Einschränkungen im Straßen- und Bahnverkehr möglich. Schon bei der nächsten Sitzung der Arbeitsgruppe Ende Oktober/Anfang November 2016 wird ein Fachplaner erste Ergebnisse seiner Vorplanungen präsentieren.

Neben dem Ersten Kreisrat Oliver Schulze arbeiten in der Projektgruppe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachgruppe Wasser, Boden, Abfall des Heidekreises, der Stadt Munster, des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz, des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, des Gewerbeaufsichtsamtes Hildesheim, des Staatlichen Baumanagements Lüneburger Heide, der GEKA Munster, der WIS Munster, der Gruppe Kampfmittelbeseitigung der Bundeswehr, des Kampfmittelbeseitigungsdienstes des Landes Niedersachsen und des Umweltforschungszentrums Leipzig mit.

Realisierung der Öffnung des Dethlinger Teiches fordert zahlreiche Detaillösungen
Ende November 2016 fand die zweite Sitzung der „Projektgruppe Dethlinger Teich“ statt. Die vom Heidekreis beauftragte Bietergemeinschaft Mull & Partner aus Hannover und Hazard Control aus Visselhövede präsentierte unter anderem die ersten Ergebnisse ihrer Grobplanung für die Öffnung des Dethlinger Teiches bei Munster. Das endgültige Gutachten mit einer Kostenschätzung soll im Verlauf des Dezembers vorliegen. Die anschließende Diskussion innerhalb der Projektgruppe zeigte, dass für die Realisierung der Teichöffnung im Winter 2017/2018 noch zahlreiche Detaillösungen erarbeitet werden müssen. Angesichts der schwierigen Randbedingungen wird das Vorhaben von den Spezialisten zwar als besonders anspruchsvoll, aber machbar angesehen.

Einen weiteren Schwerpunkt der Sitzung bildeten die Ergebnisse über die im Oktober durchgeführten Sondierungen. Zur optimalen Platzierung der neuen Grundwasser-Messstellen führte die Spezialfirma FUGRO aus Braunschweig innerhalb von zwei Wochen zahlreiche Sondierungen mit Spezialsonden durch und errichtete zum Abschluss am unmittelbaren Rand des ehemaligen Teiches insgesamt 38 neue, sogenannte Mikro-Messstellen mit einem Ausbaudurchmesser von 25 mm (1“ = 1 Zoll). Mithilfe der gemessenen Wasserstände und den Ergebnissen der anschließenden Beprobung konnten die Fließverhältnisse im Umfeld des Teiches im Detail erkundet werden. Aufgrund der Ergebnisse der chemischen Analytik ist davon auszugehen, dass im unmittelbaren Grundwasser-Abstrom bereits eine Schadstofffahne mit einer Breite von mehr als 100 m vorhanden ist. Darüber hinaus erfolgt die Schadstoffausbreitung nicht nur als unterirdischer Überlauf der relativ dichten Teichwände, sondern maßgeblich auch im Bereich der Teichsohle. Zur Kostenreduzierung wurde bei der Analytik unter anderem nur eine eingeschränkte Auswahl der Abbauprodukte des Hautkampfstoffes LOST berücksichtigt. Die insbesondere in tieferen Messstellen analysierten Gehalte liegen aber mehrfach über den bisher bekannten Höchstgehalten am Teich.

Die Aussagekraft einer Mikro-Messstellen ist gegenüber einer modernen Messstelle mit einem Ausbaudurchmesser von 100 mm eingeschränkt. Aufgrund der neuen Ergebnisse dürfte jedoch eine deutlich höhere Schadstofffracht in das Grundwasser gelangen, als die bisherigen Analysen erwarten ließen. Eine verlässliche Abschätzung der Schadstofffrachten und damit der Grundwassergefährdung wird im März 2017 nach Errichtung und Erstbeprobung der insgesamt 20 neuen 4“-Grundwassermessstellen möglich sein.

Die Arbeitskarte zeigt eine Übersicht der neuesten Sondierungen.

Bau von 20 neuen Messstellen ist abgeschlossen und die anschließenden Ergebnisse der Erstbeprobung liegen vor
Am 09.05.2017 fand die dritte Sitzung der „Projektgruppe Dethlinger Teich“ statt. Schwerpunkt der Sitzung waren der kürzlich abgeschlossene Bau der 20 neuen Grundwasser-Messstellen (B 60 bis B 79) und deren anschließende Erstbeprobung. Für die sogenannte Stichtagsmessung wurden neben den 20 neuen Pegeln auch drei Messstellen (B 27, B 28 und B 30) berücksichtigt, die 2015 im Rahmen der mehrjährigen Erkundung für das neue Messstellennetz errichtet worden waren.

Die Positionierung der 20 neuen Messstellen erfolgte mit Hilfe der 2016 errichteten 36 Mikro-Messstellen und der zum Teil überraschenden Analyseergebnisse. Demnach war davon auszugehen, dass der Schadstoffabfluss auf einer großen Breite erfolgt. Insbesondere im Südbereich des ehemaligen Teiches, der mit den vorhandenen Pegeln praktisch gar nicht erfasst wurde, waren höhere Gehalte an Abbauprodukten des Hautkampfstoffes Lost zu befürchten. Die nun vorliegenden Ergebnisse der Erstbeprobung übertrafen hinsichtlich der Höhe, Breite und Tiefe die Erwartungen. Während die toxischen (giftigen) Arsenverbindungen „nur“ mit Gehalten bis 120 µg/l nachgewiesen wurden, liegen die Gesamtgehalte der Lost-Abbauprodukte bei bis zu 2.183 µg/l. Zum Vergleich: Die Höchstgehalte des alten Messstellennetzes (bis 2009) betrugen bei Arsen rd. 500 µg/l und bei den Lost-Abbauprodukten rd. 250 µg/l.

Zur umfangreichen Parameterliste gehörten bei der Erstbeprobung auch die sogenannten sprengstofftypischen Verbindungen (kurz STV genannt). In keiner der 23 Pegel konnten STV nachgewiesen werden.

Wie obige Tabelle zeigt, schwanken die pH-Werte der 23 Grundwasserproben zum Teil sehr stark. Die sehr niedrigen Werte mit 4,15 und 4,80 werden als Indiz für den Abbau von einigen Kampfstoffen interpretiert werden, bei denen im Kontakt mit Wasser Säuren entstehen. Solche Kampfstoffe sind zum Beispiel der Lungenkampfstoff Phosgen und der Nervenkampfstoff Tabun. Neben den sehr niedrigen pH-Werten weist ein Pegel einen für Grundwasser extrem hohen pH-Wert von 9,30 auf, der durch die Bauschuttablagerungen im Teich begründet werden kann.

Im Rahmen der mehrjährigen Erkundungen wurde der Heidekreis durch das Umweltforschungszentrum Leipzig des Helmholtz Institutes unterstützt. Unter anderem wurde ein sogenannter Tracerversuch im Teich durchgeführt. Dabei wurde der Farbstoff Uranin auf dem Teich versickert, um die Fließwege zu erkunden. Bei der jetzt durchgeführten Erstbeprobung wurden daher auch die Uraningehalte ermittelt. In den drei flachsten Messstellen konnte das Uranin nachgewiesen werden. Der Uranin-Nachweis zeigt in Verbindung mit den übrigen Messergebnissen und der Grundwasserstandsauswertungen zweifelsfrei, dass der Schadstoff-Abstrom des Dethlinger Teiches auf einer sehr großen Breite erfolgt und insbesondere über die frühere Teichsohle ein massiver Austritt vorliegen muss. Zu Beginn der Erkundungen wurde noch davon ausgegangen, dass der Schadstoffaustritt im Wesentlichen durch einen unterirdischen „Überlauf“ erfolgt und die Böschungen sowie die Sohle der alten Kieselgur-Abbaugrube im Gegensatz dazu mehr oder weniger undurchlässig sind. Seinerzeit wurde vereinfacht von einer halbwegs dichten „Tasse“ mit kleineren Schäden, insbesondere an der oberen Kante, gesprochen. Aufgrund der aktuellen Lage wäre richtigerweise von einer zerbrochenen Tasse zu sprechen, bei der an zahlreichen Stellen ein „Auslauf“ erfolgt. Die bis zum Frühjahr 2017 durchgeführten verschiedenen Untersuchungen kosteten rund 275.000 €. Durch die vom Land gewährte Förderung reduziert sich der Eigenanteil des Heidekreises auf aktuell geschätzte 83.000 €.

Nachdem der Schadstoffaustritt am Dethlinger Teich nun relativ gut bekannt ist, muss in einem der nächsten Bearbeitungsschritte überprüft werden, inwieweit die vorhandenen Messstellen im weiteren Umfeld (zum Beispiel an der Bundesstraße 71) den Verlauf der weiteren Schadstoffausbreitung aufzeigen können. Hierzu soll ein sogenanntes „Grundwasser-Strömungsmodell“ erstellt werden, das ggf. bestehende Defizite aufzeigen kann. Zur Kostenreduzierung kann der Heidekreis das bestehende Modell für die Bundeswehr am Standort Munster nutzen und für den Dethlinger Teich lediglich ein Detailmodell errechnen lassen.

Im Rahmen der Bohrarbeiten in diesem Jahr wurden mit den alten Messstellen B 4, B12 und B 13 auch drei Pegel fachgerecht beseitigt, die aufgrund ihres mangelhaften Ausbaues in der Vergangenheit zu einer vermeidbaren Schadstoffausbreitung geführt haben.

Einen weiteren Schwerpunkt der Projektgruppensitzung bildeten die für 2017 bis 2019 geplanten Maßnahmen. Neben der Fortsetzung der Grundwasser-Überwachung durch weitere Stichtagsmessungen sind dies die Vorbereitungen für die im Herbst 2018 geplante Öffnung des Dethlinger Teiches und dann für 2019 die abschließende Gefährdungsabschätzung. Der Heidekreis geht, auch aufgrund der neuen Daten weiter davon aus, dass die Sanierung letztendlich erforderlich wird. Für die erforderlichen Untersuchungen von 2017 bis 2020 haben das Niedersächsische Umweltministerium und der Landkreis im Februar 2017 eine Vereinbarung über eine Zuwendung des Landes von bis zu 2 Millionen € vereinbart. Unter Einbeziehung des Eigenanteils sind damit Kosten in Höhe bis rund 2,85 Millionen € abgedeckt. Die Gespräche des Landes mit Vertretern des Bundes über eine Beteiligung des Bundes an einer Sanierung haben begonnen, sodass aus heutiger Sicht das Ziel „Sanierungsbeginn 2021“ realistisch bleibt.

Erstmals Nachweis von Original Kampfstoff im Grundwasser
Bei den Analysen der sogenannten Frühjahrs-Beprobung 2018 wurde in einer Messstelle am südwestlichen Rand des Dethlinger Teiches erstmals ein chemischer Kampfstoff als Originalsubstanz nachgewiesen. Es handelt sich dabei um den Kampfstoff Clark I (Diphenylarsinchlorid), der als Beimengung auch in Lost-Munition Verwendung fand. Bemerkenswert bei diesem Nachweis ist neben der Entnahmetiefe von rd. 15 m die Tatsache, dass Clark I trotz vielfacher Verwendung nur selten im Grundwasser nachgewiesen wird. Insbesondere die Entnahmetiefe wird als weiteres Indiz für einen erheblichen Schadstoffaustritt im Bereich der früheren Teichsohle (ca. 10 bis 12 m unter Geländeoberkante) angesehen.

Schutzbekleidung bei der ProbenentnahmeDer Clark-Nachweis erfolgte über ein sogenanntes Übersichtsscreening. Um den Gehalt von Clark I exakt bestimmen zu können, ist bereits bei der Probenentnahme eine spezielle Konservierung der Grundwasserprobe erforderlich. Die betroffene Messstelle wurde hierzu am 25.06.2018 erneut beprobt. Das vorliegende Ergebnis der Nachbeprobung bestätigt den Befund des Screenings. Es wurde eine Konzentration von 23,61 µg/l Clark 1 nachgewiesen.

Bei der Beprobung im April war es zu einem Zwischenfall gekommen. Die erfahrenen Probenehmer klagten während des Einsatzes über Übelkeit. Die Probenentnahme wurde daraufhin abgebrochen und erst einige Wochen später fortgesetzt. Die Gründe für die körperlichen Beeinträchtigungen der beiden Männer konnten nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Die Messstelle, an denen die Beiden zum Zeitpunkt der Übelkeit gearbeitet hatten, war nur gering belastet. Es wird daher weiterhin vermutet, dass die Übelkeit durch die besonders hohen Temperaturen von rd. 30° C und die durch die hohen Grundwasserstände bedingten Faulgase verursacht wurde.

Als Konsequenz wurde den Probenehmern bei der Nachbeprobung vorsorglich das Tragen von Atemschutzmasken auferlegt.

Die Ergebnisse der Frühjahrsbeprobung bestätigten im Übrigen die Ergebnisse der vorangegangenen Kampagnen. Die  nachfolgende Tabelle stellt ausgewählte Messstellen über die Gesamtgehalte der Lost-Abbauprodukte in µg/l dar.

Tabelle: Gehalte der Lost-Abbauprodukte in µg/l
Brunnen Frühjahr 2017 Herbst 2017 Frühjahr 2018 Lage der Messstelle
B79 499,60 1310,40 1490,60 teichnaher Abstrom
B60 650,40 720,50 768,17 teichnaher Abstrom
B61 54,00 18,00 55,60 teichnaher Abstrom
B62 242,90 134,02 762,90 teichnaher Abstrom
B63 1442,10 254,00 235,09 teichnaher Abstrom
B64 948,30 527,20 453,30 teichnaher Abstrom
B65 350,40 230,78 153,32 teichnaher Abstrom
B66 12,10 123,93 0,55 teichnaher Abstrom
B67 68,90 66,68 65,94 teichnaher Abstrom
B68 37,80 159,30 286,55 teichnaher Abstrom
B69 1192,30 1030,70 1755,35 teichnaher Abstrom
B70 703,30 690,10 1026,91 teichnaher Abstrom
B71 2183,10 1425,80 1430,13 teichnaher Abstrom
B72 770,70 307,70 92,69 teichnaher Abstrom
B77 365,20 365,47 414,90 teichnaher Abstrom
B73 241,70 27,57 4,97 teichnaher Abstrom
B74 73,40 136,89 172,85 teichnaher Abstrom
B75 16,60 12,80 7,70 teichnaher Abstrom
53a n.b. 71,47 n.b. teichnaher Abstrom
1 n.b. n.b. 215,76 ca. 40 m vom Teich
20a n.b. n.b. 169,30 ca. 210 m vom Teich
22b n.b. n.b. 46,98 ca. 275 m vom Teich

n.b.: nicht bestimmt, das heißt: nicht gemessen
n.n.: nicht nachgewiesen, das heißt: Gehalt kleiner als Nachweisgrenze

Erstmals wurden im Frühjahr 2018 auch zahlreiche ältere Messstellen überprüft. Insbesondere die analysierten Schadstoffgehalte bei B 20a und B 22b an der Bundesstraße 71 bestätigen die Notwendigkeit zur Erweiterung des Kontrollnetzes.

Probenahme und Analytik von Wasser und Boden der neu hergestellten Brunnen
Seit Anfang August 2019 liegen die Prüfberichte zu den aktuellen Boden- und Grundwasseruntersuchungen vor.

Im Rahmen der kürzlich durchgeführten Brunnenherstellung wurden drei Proben des Bohrgutes entnommen und laboranalytisch untersucht. Festgestellt wurden die Verbindungen 1,4-Oxathian, 1,4-Dithian und 1-Oxa-4,5-Dithiepan in einer Konzentration von in Summe bis zu ca. 30 µg/kg.

Nach Fertigstellung der neuen Brunnen konnten diese erstmalig am 10.07.2019 höhenorientiert beprobt werden. Dabei wurden beginnend mit der Oberkannte des aktuellen Wasserstandes bis in eine Tiefe von 6,5 m insgesamt 13 Wasserproben entnommen. Die anschließende Analytik ergab hohe Gehalte an Lostabbauprodukten in einer Größenordnung in Summe von bis zu 11,5 mg/L. Im Einzelnen wurden folgende Substanzen nachgewiesen: 1,4-Oxathian, 1,4-Dithian und 1-Oxa-4,5-Dithiepan, 1,2,5-Trithiepan, Thiodiglycol (TDG), Thiodiglycolsulfon (TDGS) und Thiodiglycolsulfoxid (TDGSO). Darüber hinaus findet sich in den Proben Arsen mit bis zu ca. 3,1 mg/L und Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die in ihren Konzentrationen bis zu ca. 1,2 mg/L erreichen.

Eine durchgehende Schichtung des Wassers auf Basis der oben genannten Untersuchungen kann derzeit nicht festgestellt werden, vielmehr sind die Schadstoffkonzentrationen über die betrachtete Tiefe der Pegel relativ ähnlich. Lediglich im obersten Meter des Wassers sind die Schadstoffgehalte im Vergleich zu den übrigen Probenahmepunkten deutlich niedriger.

Informationen zur Vorbereitung der Öffnung des Dethlinger Teiches, Munster, ab September 2019 können Sie hier einsehen.