Fachtag für pädagogische Fachkräfte
Reise an den medialen Abgrund
Dass Medienbildung in Kindergarten und Schule nicht gleichzusetzen ist mit einem Handyverbot oder dem Erklären der neuen Tablet-Funktionen, damit befasste sich ein Fachtag für pädagogische Fachkräfte, der kürzlich in Bad Fallingbostel stattfand. Das Netzwerk Personal Leadership (kurz: PERLE) hatte diesen organisiert, mehr als 60 Personen nahmen daran teil.
Für den Einführungsvortrag wurde die Bestsellerautorin und ehemalige Schulleiterin Silke Müller online zugeschaltet. Sie erklärte, dass sie mit den Anwesenden eine Reise an den medialen Abgrund unternehmen wolle und zeigte im Anschluss mehr als anschaulich die diversen Gefahren von Mediennutzung im Allgemeinen, Social Media und KI im Besonderen auf. Ob alle im Raum wissen, dass sich auch hinter einem bekannten Musikanbieter Online-Kanäle befinden? Dass Kontaktaufnahme oft über Gaming-Portale stattfindet? Und dass die meisten Kinder und Jugendlichen schon ab Klasse 5 mit Pornografie im Netz in Kontakt kommen? Silke Müller erklärte, dass es nicht nur helfe, sich für die Lebenswelt der jungen Menschen zu interessieren, sondern dass die Erwachsenen sie digital genauso beschützen müssten wie sie das in der analogen Welt tun. „Beim Umgang mit Social Media und dem Smartphone bewegen sich Erwachsene heute zwischen Überforderung und Ignoranz“, konstatierte sie. Ihr praktischer Vorschlag schon ab Klasse 1: Eine Social Media Sprechstunde in der Schule. Dort sollten Erwachsene jungen Menschen zur Verfügung stehen, um über Situationen im digitalen Raum zu sprechen, mit denen sich diese nicht wohlfühlen. Außerdem insistierte sie mehrfach, dass Erwachsene aufhören sollten, die Fotos ihrer Kinder im Internet zu posten.
Drei vertiefende Workshops bauten im Anschluss auf dem Vortrag auf. Bei Michael Smolinksi, der als Walsroder ein Heimspiel hatte, ging es darum, was Veränderung mit Menschen macht und wie es leichter fallen kann, diese zu meistern. Aus anfänglicher Ablehnung kann Zustimmung werden, wenn man für sich selbst einen Mehrwert in der Veränderung erkenne.
Workshop zwei beschäftigte sich mit der Haltung von pädagogischen Fachkräften zu Kindern und Medien. Referentin Nadine John zeigte auf, in welchem Spannungsfeld sich auch Eltern bewegen und welche Schritte notwendig sind, damit Kinder ein gemeinsames Frühstück oder einen Waldspaziergang interessanter finden als das Smartphone. Unter anderem auch, dass Erwachsene selbst ihren Umgang damit reflektieren und einschränken. „Kinder machen nach, was sie sehen. Und wenn sie sehen, dass Eltern den ganzen Tag vor dem Telefon hängen, wollen sie das auch“, so John.
Im dritten Workshop zeigte Referentin Elena Thieß vom Verein blickwechsel e. V. den Teilnehmenden schließlich ganz praktisch an mitgebrachten Geräten, wozu Tablets in Kita und Grundschule hilfreich sein könnten.