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Zum Internationalen Frauentag

Beratungsstellen fordern bessere Versorgung
beim Schwangerschaftsabbruch 

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland nach § 218 StGB grundsätzlich rechtswidrig und nur unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. Dazu gehören eine verpflichtende Beratung sowie gesetzlich festgelegte Fristen. Die sogenannte Beratungsregelung sieht vor, dass der Eingriff innerhalb von zwölf Wochen nach Empfängnis erfolgt und zwischen Beratung und Abbruch mindestens drei Tage liegen. Was rechtlich geregelt ist, bedeutet für viele Betroffene in der Praxis jedoch vor allem: Hürden, lange Wege und zusätzlichen Druck – insbesondere im ländlichen Raum.

Anlässlich des Internationalen Frauentags machen die Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen im Heidekreis gemeinsam auf die angespannte Versorgungslage aufmerksam. pro familia Soltau, die Sozialarbeit Walsrode, das Gesundheitsamt des Landkreises Heidekreis sowie das Diakonische Werk im Heidekreis berichten aus ihrer täglichen Beratungspraxis von strukturellen Defiziten.

„Wir begleiten Menschen in Ausnahmesituationen“, sagt Nadja Bernhardi vom Diakonischen Werk im Heidekreis. „Viele kommen verunsichert, unter Druck, mit Angst vor Stigmatisierung. Unsere Aufgabe ist es, ihnen zuzuhören, sie zu informieren und sie auf ihrem Weg zu stärken.“ Dennoch stoßen selbst die engagiertesten Beraterinnen an strukturelle Grenzen. 

Besonders deutlich wird das bei der medizinischen Versorgung im Heidekreis. Im gesamten Landkreis führt nur das Heidekreis-Klinikum Schwangerschaftsabbrüche durch. Medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche, die gerade in der Frühschwangerschaft eine gut etablierte und körperlich schonende Alternative ohne operativen Eingriff sind, stehen im Heidekreis nicht zur Verfügung. „Für viele ist das keine einfache Fahrt“, erklärt Cristine Idrizaj von der Sozialarbeit Walsrode. „Das bedeutet Zeit, Geld, Organisation – und oft auch, alles heimlich regeln zu müssen.“ Hinzu kommt: Liegt eine Person – etwa eine Studentin – unter der Einkommensgrenze, besteht Anspruch auf Kostenübernahme. Doch auch das bedeutet trotz der finanziellen Entlastung zusätzlichen Aufwand: ein weiterer Termin bei der Krankenkasse, Formulare, Nachweise und erneut die eigene Geschichte erzählen. Für Menschen, die ohnehin unter emotionalem Druck stehen, kann das überwältigend sein, ergänzt Janne Gros, Stellenleitung der pro familia Soltau.

Acht Beraterinnen tragen diese Arbeit im Heidekreis – fachlich kompetent, emotional präsent und oft über die eigentlichen Aufgaben hinaus. Das Problem ist kein Ausnahmefall, sondern Alltag – und betrifft jedes Jahr mehrere hundert Menschen allein im Landkreis Heidekreis.

Bundesweit liegt die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche seit mehreren Jahren konstant bei rund 100.000 jährlich. Diese anhaltend hohe Zahl verdeutlicht, wie relevant und gesellschaftlich bedeutsam das Thema weiterhin ist. Die gemeinsame Kritik der Beratungsstellen ist deutlich: Reproduktive Selbstbestimmung ist in Deutschland nach wie vor stark eingeschränkt – besonders im ländlichen Raum. Wohnort, Einkommen und die Verfügbarkeit medizinischer Angebote entscheiden darüber, wie frei eine Entscheidung tatsächlich ist.

„Wir wünschen uns, dass der Weg für unsere Klientinnen und Klienten einfacher wird“, sagt Lena Eschbach vom Landkreis Heidekreis. „Sie gehen ohnehin einen schweren Weg. Er sollte nicht noch steiniger sein – sondern menschlicher.“ Die Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen im Heidekreis stehen bei allen Fragen rund um Schwangerschaftsabbruch, Schwangerschaft und Geburt beratend zur Seite. Die Beratung ist vertraulich und kostenlos. Zusätzlich weisen die Einrichtungen auf den Verhütungsmittelfonds im Heidekreis hin, der Menschen mit geringem Einkommen und/oder im Leistungsbezug bei der Kostenübernahme für Verhütungsmittel unterstützt.

Weitere Informationen stehen auf der Homepage des Landkreises Heidekreis unter dem Thema "Verhütungsmittel" zur Verfügung. 

Kontaktdaten der Beratungsstellen

Sozialarbeit Walsrode

Cristine Idrizaj 
August-Wolff-Str. 3
29699 Walsrode
Telefon: 05161 949997
E-Mail: idrizaj@walsrode.net  

pro familia Soltau
 
Mühlenstraße 1
29614 Soltau
Telefon: 05191 17783
E-Mail: soltau@profamilia.de  

Diakonisches Werk im Heidekreis

Nadja Bernhardi
Beratungsstelle Walsrode
Brückstraße 7
29664 Walsrode
Telefon: 05161 989771
Mobil: 0160 99894843
E-Mail: Nadja.bernhardi@evlka.de

Diakonisches Werk im Heidekreis

Beratungsstelle Soltau
Svenja Holste 
Rühberg 7
29614 Soltau
Telefon: 05191 60122
E-Mail: Svenja.holste@evlka.de  

Landkreis Heidekreis, Fachbereich Gesundheit

Lena Eschbach, Gabriela Kramp
Dierkingstraße 19
29664 Walsrode
Telefon: 05162 9709141 oder 05162 9709142
E-Mail: l.eschbach@heidekreis.de oder g.kramp@heidekreis.de